Meine Märchen im Interview

jessica_paul_mz_20042015
Was durfte ich Anfang der Woche aus meiner Heimatstadt hören? In der hiesigen Tageszeitung stand ein Interview über die glücklichen Märchen. Mein Herz tanzte! Aber lest einfach selbst:

EIN ENDE DER GRAUSAMKEITEN BEI DEN GRIMMS
Jessica Paul hat die Märchen neu erzählt und veröffentlicht.
Wittenberg/Berlin/MZ, 20.04.2015
– Kaum ein Märchen der Brüder Grimm,
das ohne Gewalt auskommt. Da werden Menschen und Tiere gequält, Unsagbares
und Grausames geschieht in der Märchenwelt. Am Ende haben Kinder schlechte Träume.
Dem setzt Jessica Paul eine neue Version der Kinder- und Hausmärchen entgegen.
Die hat die gebürtige Wittenbergerin aufgeschrieben und veröffentlicht.
Über das Buch „Grimms Märchen neu erzählt. Märchen, die Kinder glücklich machen“
sprach MZ-Mitarbeiterin Ilka Hillger mit der 33-jährigen Wahl-Berlinerin.

Welches Grimm-Märchen hat Sie als Kind besonders gegruselt?
Paul: Das war Aschenputtel mit den abgehackten Zehen
der Stiefschwestern. Das fand ich besonders grausam.

Ist das ein Grund, die Märchen der Grimms umzuschreiben?
Paul: Das kam mir als Idee, als ich selbst Mutter wurde, meine Tochter ist vier Jahre,
mein Sohn ein Jahr alt. Die Kleine wollte von den schrecklichen Dingen nichts hören.
Also habe ich beim Vorlesen neue Elemente erfunden, die nicht für schlechte
Träume sorgten.

Sind die Hausmärchen denn wirklich so traumatisch?
Paul: Denken Sie nur an den Wolf, der ein Kind und eine Großmutter
frißt und dem der Bauch aufgeschlitzt wird, die besagten abgehackten Zehen oder auch
eine Hexe, die in den Ofen geschoben wird. Da tauchen schon reichlich Fragen auf,
wenn man das kleinen Kindern vorliest. Wobei ich Fragen grundsätzlich gut finde,
aber mit solchen Bildern sollen meine Kinder nicht ins Bett gehen.
Zumal die Märchen ja im Ursprung auch für Erwachsene gedacht waren.

Wie schwer ist es, die Grimms umzuschreiben?
Paul: Ich habe in meiner Elternzeit sechs
Monate gebraucht, und es war gar nicht so einfach. Ich wollte die
Geschichte ja nicht verändern, sondern einfach kindgerecht erzählen und
eine gewisse Spannung sollte natürlich bleiben. Es ging mir um Mut machende
und fröhliche Geschichten, die die Kinder zu mehr Selbstvertrauen
und Entdecken einladen. Der erhobene Zeigefinger bleibt in der Tasche.
Stattdessen erobern kleine alltägliche Weisheiten, stärkende Glaubenssätze
und interessante Fragen am Ende jedes Märchens die Kinderherzen.

Welche Märchen haben Sie sich im ersten Band, der im Selbstverlag erscheint,
vorgenommen?

Paul: Der Wolf und die sieben Geißlein, Aschenputtel, Dornröschen,
Froschkönig, Hänsel und Gretel und Rotkäppchen. Weil es bei den Grimms abernoch mehr
Grausamkeiten gibt, überlege ich, noch einen weiteren Band heraus zu geben.
Meine Tochter ist da ein guter Testhörer und auf den ersten Band habe ich beim
Vorlesen in der Kita oder vor Kindern von Freunden nur begeisterte Reaktionen erhalten.
Selbst Erwachsene sagten mir, dass sie noch etwas dazu gelernt haben.

Wer hat Ihnen das Buch illustriert?
Paul: Das hat die Grafikerin Christina Busse übernommen, mit sehr sympathischen
und kindergerechten Figuren, wie ich finde.

Ein Gedanke zu „Meine Märchen im Interview

  1. Katja Raddatz

    Hi Jesse, was für eine tolle Idee. Tatsächlich ist mir das selbst als Kind nicht so bewusst gewesen, aber jetzt bei Johannes ist mir das auch aufgefallen, dass viele Szenen echt grausam sind.
    Liebe Grüße von Hameln nach Berlin

    Antworten

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